Mar 10, 2010
Fog is a Light Darkness

Mit „der Nebel ist ein helles Dunkel / the Fog is a Light Darkness” von Miriam Sturzenegger er-scheint die sechste Publikation in der Reihe „Junge Kunst” der Stadt Luzern. Das Buch gibt mit umfangreichem Bildmaterial und anschaulichen Textbeiträgen einen vertieften Einblick das Schaffen einer Künstlerin, die in ihrer zurückhaltenden zeichnerischen Sprache zwischen feinen Buchseiten und installativen Räumen die Erfahrung von Sichtbarkeit auslotet.
Die Kommission für Bildende Kunst der Stadt Luzern tätigt die Kunstankäufe für die städtische Sammlung und ermöglicht jährlich einer jungen Künstlerin oder einem jungen Künstler mit ei-nem Stipendium die Erarbeitung und Herausgabe einer ersten Monografie. Sie fördert damit die Vermittlung jungen Kunstschaffens aus der Region.
In einer fast existenziellen Weise setzt sich Miriam Sturzenegger (*1983) mit dem Wesen und der Wahrnehmung von Zeichnung auseinander. Dabei erkundet sie deren Nähe zu Denkprozes-sen im intimen Dialog mit dem Papier, aber auch deren Potential, sich über eine physische Ma-terialisierung zu verräumlichen und den Raum zu strukturieren. Seit 2007 entstehen installative Arbeiten, die über eine tastende, verlangsamte Wahrnehmung zu einer intensiven Erfahrung von Raum und Materialität führen.
„Zunächst sind wir irritiert, weil es nichts zu sehen gibt, weil sich die Tafeln wie eine leichte, beinahe durchlässige Wand vor uns aufbauen und den Blick versperren. Auch wenn wir bereits von Zeichnung gesprochen haben, die uns über die Furchen und die rhythmisch zueinander an-geordneten Tafeln begegnet oder die den Holztafeln am Boden entlang folgt, sehen wir zunächst einmal eine leere unbeschriebene Landschaft vor uns ausgebreitet. […] Wir sind konfrontiert mit der Leere, welche sich zwischen uns und den Holztafeln aufspannt und dem Weiss, das sich auf der Wand ausbreitet. Wir tappen sozusagen im Nebel. […].
Miriam Sturzenegger führt uns an die Schwelle zwischen Nichtsehen und Sehen. Die Unsichtbar-keit bildet einen wichtigen Bestandteil ihrer Arbeit und geht dem Sehen voraus. Sie weitet unse-re Wahrnehmung und öffnet sie auf andere Sinne […]. Die Leere und die Reduktion der Eindrü-cke machen uns empfänglich für Dinge, die wir sonst übersehen oder überhören würden.” Anna-mira Jochim, Figurationen des Zeichnens, 2010
Das Buch „der Nebel ist ein helles Dunkel / the Fog is a Light Darkness” fokussiert im Übergang zwischen Zeichnung und Wand, zwischen dem Raum der Zeichnungsbücher und dem Installati-onsraum den skulpturalen Zugang zum Zeichnen als einem Denken im Material und aus dem Material heraus: das allmähliche Freilegen von Sichtbarkeit und Entgleiten von Bild in den fra-gilen Zonen zwischen Leere, Spur und Figur.
Durch einen konsequenten Umgang mit Bildmaterial, das nicht präsentiert, sondern mit zahlrei-chen Detailansichten und Verschiebungen des Blickwinkels zum genauen Hinschauen auffordert, nimmt das Buch in seiner eigenen Räumlichkeit das Eintauchen in einen physischen und menta-len Ort im Moment der Desorientierung wieder auf.
Dem gedichtartigen, von der Künstlerin stammenden Text auf dem Umschlag, welcher als Kon-zentrat dieses künstlerischen Schaffens gelesen werden kann, folgen unmittelbar zwei dichte Bildteile: eine ausführliche, forschende, mäandernde Dokumentation dreier installativer Arbei-ten, die nun miteinander in Bezug treten und zu einem einzigen, durch Rhythmisierung und Haptik geprägten Raum verschmelzen, sowie eine Abfolge von Reproduktionen feiner Bleistift-zeichnungen aus heftartigen Büchern.
Nach kurzen Werkangaben werden in einem letzten Teil das zeichnerisch-installative Schaffen der Künstlerin sowie einzelne Werke in zwei Textbeiträgen von der Kunsthistorikerin und Kura-torin Annamira Jochim und dem Künstler Michael Noser reflektiert. Sämtliche Texte sind im deutschen Original und in einer englischen Übersetzung gedruckt.
Miriam Sturzenegger „der Nebel ist ein helles Dunkel / the Fog is a Light Darkness”
Texte von Annamira Jochim und Michael Noser, zweisprachig Deutsch/ Englisch, übersetzt von Catherine Schelbert
272 Seiten, 209 Abbildungen, davon 111 in Farbe
15 x 20.5 cm, Fadenheftung, Softcover
Gestaltung Izet Sheshivari (Genf) und Miriam Sturzenegger
Boabooks, Genf, 2010
Buchvernissage
Am Samstag, 13. März 2010 um 19.00 Uhr wird die Publikation „der Nebel ist ein helles Dunkel / the Fog is a Light Darkness” im Detektiv Bureau an der Bernstrasse 2 in Luzern vorgestellt.
In den Atelierräumlichkeiten vier junger Gestalter, die seit Jahresbeginn regelmässig für Ausstel-lungen, Lesungen und weitere Veranstaltungen freigeräumt werden, besteht bei Apero und in Anwesenheit von Künstlerin, Verleger und einem Mitglied der Kommission für Bildende Kunst Gelegenheit für Gespräche.
Ein Konzert von Markus Lauterburg (Perkussion) und Marc Unternährer (Tuba), die den nahe-gelegenen Konzertraum Mullbau in Reussbühl mitleiten, findet im Anschluss statt.