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Replik auf eine Trauerrede!

Kulturpolitik ist bisweilen mühsam, aber notwendig. Das Interview von Bernhard Bischoff in «Der Bund» hat 4 unabhängige Kunsträume bewegt Stellung zu nehmen und zu widersprechen. Denn wir glauben an die Vielfalt der Kunst und nicht den Äusserungen von Bernhard Bischoff, Präsident des Vereins Berner Galerien. Wir distanzieren uns von der Trauerrede zur Untergang der Kunst in der Hauptstadt.
Die Replik ist verfasst. Lies selbst!

Grand Palais, Neue Galerie, Marks Blond & Milieu Galerie

«Wir leben für die Kunst» Artikel im Bund vom 15. Januar 2010


Wir jammern mit für die Kunst

Wir zumindest haben Mitleid mit dir, lieber Bernhard Bischoff. In ganzer Linie stimmen wir dir und deiner Trauerrede als Präsident des Vereins Berner Galerien zu. In deinem Interview (siehe «Der Bund» vom 15.01.10 im Anhang), zeigst du geradezu exemplarisch auf wie viele Steine absichtlich in den Weg von kommerziellen und konventionellen Galerien gelegt werden – gerade in der Hauptstadt.

Da gibt’s auf einer Seite die verwöhnten Besucher, die ausbleiben, weil sie eine Konfrontation mit den Galeristen und der Kunst meiden. Dem nicht genug gibt’s noch Off-Spaces, alternative Kunsträume, die junge Künstlerinnen und Künstler aufbauen und zeigen bevor sie die Welle des Kunstmarkts ergreift, welche taktlos von der öffentlichen Hand und privaten Stiftungen unterstützt werden. Wieso eine experimentierfreudige Plattform bieten, wenn sie doch gleich bei jeder Galerie für den Kunstmarkt produzieren könnten? Es kommt noch schlimmer, da erstehen manche unverfrorene Sammler und Kunstförderer ihre Werke direkt in Künstlerateliers. Und wenn da auch nicht noch dieses Stigma wäre, des bösen Galeristen, welcher nichts anders gedenkt als Künstlerinnen und Künstler hemmungslos auszunehmen. Jetzt sind wir aber froh, dich an vorderster Front der privatisierten Kunstvermittlung zu haben.

Ein Mann der gleich selbst von seinem vierteljährlich erscheinenden Flyer mit gelisteten Ausstellungen der Galerien aus dem Verein schwärmt und mit diesem jammernd loszieht in den Kampf gegen das Böse, sprich zu anspruchsvolle Kunstinteressierte, arglistige Kunstschaffende, verfälschte Off-Spaces und ungesittete Kunstkäufer. Verwöhnt sind die Kunstinteressierten, du sagst es. Die neuen Generationen verlangen sogar vereinfachten Zugang zur Kunst und dies noch in lebensnaher Form. Eine Frechheit – ja abschaffen sollte man sie, die ganze Generation und Ansprüche überhaupt.

Noch glücklicher sind wir mit deinem Einsitz in der Kunstkommission der Stadt Bern, welche über finanzielle Förderung für Kunstprojekte und Off-Spaces entscheidet, die es ohne genau diese Kulturförderung gar nie geben würde. Wir fragen uns schon lange, wieso es eigentlich noch andere Mitglieder in der Kunstkommission braucht? Du alleine würdest ausreichen und unter uns gesagt, die anderen Mitglieder glauben ja noch leichtgläubig an die Kunst und Vielfalt in der Hauptstadt. Schön zu sehen, dass jemand endlich gegen diese verfehlten Subventionen kämpft und dann mutig und musterhaft in den gleichzeitig nichtsubventionierten Progr zieht. Die Welt braucht Vorbilder und du hast den Mut voranzuschreiten. Vielleicht könntest du auch gleich noch den Diskurs über landwirtschaftliche Subventionen für ein und allemal erledigen, da brodelt es ja auch schon lange.

Deine Idee Künstler unverfroren anzurufen und gleich im Atelier zu besuchen, so wie du es in deinen wilden Jahren als selbsternannte Ausnahme gepflegt hast, nehmen wir natürlich als gelobtes Vorbild. Wehe dem, der dann noch direkt ein Werk ersteht ohne der Galerie einen Obolus abzudrücken, so dass man in gemeinsamer Stärke am kommenden Galerienwochenende wieder die Turnhalle mieten kann um zu zeigen, dass Kunst und Galerien im Allgemeinen unterschätzt sind, Künstler im Allgemeinen ein Problem und die besten Partys sowieso alleine gefeiert werden.

Und sowieso Jammern sollte man viel mehr im Leben, zu lebensfroh ist die Kunst ungeniessbar.

Wir stehen zur Vielfalt! Galerie Milieu, Neue Galerie, Marks Blond und Grand Palais

Text: Sandino Scheidegger

This entry was posted on Friday, February 5th, 2010 at 12:54 pm and is filed under art, politics and tagged with . You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

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