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Martina v. Schulthess @ R57

Wer ist Robert? Wo ist Robert?

Es ist still. Gesprenkelte Vogeleier schimmern matt. Über die rauhfasrige Schale eines Erdnüsschens verläuft eine unregelmässige Gitterstruktur. Ölig glänzt eine Erdnusshälfte mit Bart.

Die Präsenz der Dinge in Martina von Schulthess’ Bildern entsteht durch eine malerische Präzision, die sich über viele Jahre hinweg entwickelt hat. Sowohl die Textur der Leinwand als auch die Schichten von Ölfarbe verschwinden gänzlich hinter der Oberfläche der dargestellten Häute, Schalen und Hüllen, hinter der Pudrigkeit von Schmetterlingsfügeln, dem Glanz von Wassertropfen, der abweisenden Glätte von Kunststoff. Die Dinge zelebrieren ihre Beschaffenheit, haben sich herausgeputzt und erstrahlen in einer fast Angst machenden Makellosigkeit. In unsichtbarer Nähe lauert denn hinter der farbklingenden Schönheit der sinnlichen Materialien auch schon die Vergänglichkeit der Dinge und mit ihnen das potentiell Unperfekte, Kaputte, Zerfressene und Vergammelte.

Die abgebildeten Gegenstände –  kleine Dinge des Alltags, Esswaren, Insekten – werden nicht etwa in frontaler Ansicht gezeigt und in einer Raumtiefe arrangiert, sondern allesamt in Aufsicht dargestellt und von einer neutralen Lichtquelle beleuchtet: eine typisch fotografische, filmische, naturwissenschaftliche Perspektive, die aber auch als Anspielung auf den göttlichen Blick gelesen werden kann. Der Eindruck eines Überblicks, einer Übersicht wird jedoch schnell von einem Gefühl der Unsicherheit überlagert.

Frühkartoffeln neben Vogeleiern und einem Bauchnabel, der aus der hautfarbenen Unterlage herauswächst. Kapernknospen und Wassertropfen neben einer Kaulquappe und dem Backenzahn eines Kindes. Eine Himbeere so gross wie der Kopf des Betrachters. Eine Schnecke mit den Ausmassen eines Kleinkindes.

Der Blick für die Schönheit alltäglicher Dinge verbindet sich bei Martina von Schulthess mit der Lust an der Verunsicherung, sei es durch die Monstrosität aufgeblasener Insekten oder durch die verwirrende Kombination von Gegenständen. Warum haftet an der Erdbeere eine Etikette mit der Aufschrift «Robert»? Wer ist Robert? Und wo ist er? Warum trägt die Crevette einen Goldring am Schwanz? Warum sitzen Fliegen in Reih und Glied? Was verbindet Bauchnabel und Frühkartoffel?

Anders als bei einem Trompe l’oeil ist die Absicht der Künstlerin nicht als Irreführung des Betrachters deklariert. Die Falle, die einem gestellt wird, muss hinter der Virtuosität der Darstellung, der Faszination für die taktilen Oberflächen zuerst entdeckt werden. Diese

Bilder erzählen von einer Welt, die wunderschön ist – wunderschön abgründig und rätselhaft.

Sonja Kreis, Kunsthistorikerin

«Stillleben» Malerei von Martina v. Schulthess
Ausstellung vom 5. – 26. Februar 2010
KunstRaum R57, Röschibachstrasse 57, 8037 Zürich

This entry was posted on Tuesday, January 26th, 2010 at 8:39 am and is filed under art and tagged with , . You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

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