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Wissenschaft, eine Sehnsucht der Kunst?

In den letzten Jahren wird viel von künstlerischer Forschung geredet. Dies überwiegend an Kunstfachschulen, die – neu “hochschulisiert” – nun auch forschen müssen und darüber nachdenken, was Forschen für sie bedeuten kann. Aber auch im Zusammenhang mit Stipendien oder Auszeichnungen ist häufig von “research based art” zu lesen.

Was meinen die Bezeichnungen “künstlerische Forschung” oder “research based art”? Mein persönlicher Ausgangspunkt ist, dass Kunst immer schon als Forschung betrieben wurde, als Forschungen mit einer eigenen, nämlich ästhetischen Rationalität, die der begrifflichen wissenschaftlichen Rationalität gegenübersteht. Ausgebildet als Wissenschaftlerin sehe ich gerade darin die Stärke künstlerischen Arbeitens. Texte der ästhetischen Theorie helfen mir, diese Stärke genauer zu beschreiben. Doch sind meine Ansichten haltbar (ein pdf des Textes, in dem ich sie genauer formuliert habe, findet sich unter dem Link www.lescomplices.ch/exhnext.html) oder lediglich Ausdruck einer Sehnsucht der Wissenschaft, ein anderer Bereich von Vernunft möge die Grenzen überwinden können, die sie für ihr eigenes Vorgehen sieht? Und, von daher gefragt, zeigen anerkannte Arbeiten einer “research based art” nicht eine umgekehrte Sehnsucht, eine Sehnsucht nach Wissenschaftlichkeit? Besonders häufig – scheint mir – zeigt sie sich bei Versuchen eine beabsichtigte Gesellschaftskritik irgendwie allgemeingültig zu legitimieren. Was bleibt solcher Kunst von jener ästhetischen Rationalität, die ich für ihre Stärke hielt? Eher als die Kunst meinerseits zu einer Leistung verpflichten zu wollen, interessieren mich jedoch die Einschätzungen und Zielsetzungen von Kunstschaffenden selbst: Hierzu, und in der Folge z.B. auch darüber, wie weit sie die – pragmatisch nachvollziehbaren – Versuche kunstmarktkritischer oder gesellschaftlich intervenierender KünstlerInnen unter einem Label “Forschungskunst” subventionierten Unterschlupf zu finden künstlerisch gesehen für einen fruchtbaren Weg halten.

Es scheint mir wichtig, solche Fragen auch ausserhalb der Kunsthochschulen zu diskutieren. Bei Les Complices* möchte ich dabei von konkreten künstlerischen Arbeiten ausgehen, von Arbeiten, die mir persönlich spannend scheinen “obwohl” sie als “research based art” gehandelt werden. So möchte ich meine Skepsis gegenüber dieser Bezeichnung auf die Probe stellen und hoffe im Gespräch an den beiden Abenden mit meinen eigenen Fragen weiterzukommen. (Vielleicht liesse sich ja auch behaupten, dass derzeit, von Bild-Kommunikations-technologien ermöglicht, im Bereich zwischen wissenschaftlichen und künstlerischen Forschungsweisen ein eigener, dritter Bereich von Forschungsweisen entsteht. Dritte Forschungsweisen, die neben den Erkenntnissen, die Wissenschaften vermitteln können und den Erkenntnissen, die Künste vermitteln können einen weiteren Erkenntnisbereich eröffnen. Geht es bei dem, was unter Forschungskunst gesucht wird, vielleicht um einen solchen?)
Dagmar Reichert

Gespräche / Diskussionen:
Wissenschaft, eine Sehnsucht der Kunst?
Kunst, eine Sehnsucht der Wissenschaft?
Öffentliche Gespräche über gegenwärtige Tendenzen in der künstlerischen Forschung auf der Basis einer gemeinsamen Betrachtung ausgewählter Arbeiten.
Einführung und Gesprächsleitung: Dagmar Reichert

Mittwoch, 27. Januar 2010, 19.30    Uhr
Teil 1: Kriterien der ästhetischen Theorie?
Mit Arbeiten von Maria Eichhorn, Alice Creischer & Andreas Siekmann

Mittwoch, 10. Februar 2010, 19.30
Teil 2: ästhetische Theorie als Kriterium?
Mit Arbeiten von Andrea Fraser und anderen.

Les Complices*
Anwandstrasse 9
CH-8004 Zürich

www.lescomplices.ch

info@lescomplices.ch
+41 (0)43 243 88 77

This entry was posted on Monday, January 18th, 2010 at 11:14 am and is filed under Gespräche / Diskussionen and tagged with . You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

One Response

  1. [...] Was meinen die Bezeichnungen “künstlerische Forschung” oder “research based art”? Mein persönlicher Ausgangspunkt ist, dass Kunst immer schon als Forschung betrieben wurde, als Forschungen mit einer eigenen, nämlich ästhetischen Rationalität, die der begrifflichen wissenschaftlichen Rationalität gegenübersteht. Ausgebildet als Wissenschaftlerin sehe ich gerade darin die Stärke künstlerischen Arbeitens. Texte der ästhetischen Theorie helfen mir, diese Stärke genauer zu beschreiben. Doch sind meine Ansichten haltbar (ein pdf des Textes, in dem ich sie genauer formuliert habe, findet sich unter dem Link http://www.lescomplices.ch/exhnext.html) oder lediglich Ausdruck einer Sehnsucht der Wissenschaft, ein anderer Bereich von Vernunft möge die Grenzen überwinden können, die sie für ihr eigenes Vorgehen sieht? Den originalen Beitrag finden Sie hier offoff.ch/blog/2010/ … | lokal.int [...]

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