OFFOFF.CH

marks blond: marianne engel (zürich)

marianne_engel_01das erscheinen des einen im anderen hat den charakter einer vision, einer offenbarung. die geisterhafte präsenz von menschen, in früheren jahren durch die verwendung von mehrfachbelichtung erzeugt, wurde in den letzten jahren zwar aus den bildern eliminiert, doch tat dies der geheimnisvollen atmosphäre keinen abbruch. die anwesenheit von geistern und geisterhaftem wirft unweigerlich die frage auf, ob es bei marianne engel um alchemie und okkultismus geht, um mystik und esoterik. betrifft es die grenzaufhebung zwischen leben und tod, so mag man richtig liegen, doch wäre es falsch, die fotografien als visuelle chiffren für das übersinnliche zu verstehen: gerade umgekehrt geht es nämlich um die dinge selber, die sich in ihrer reinen präsenz offenbaren. die künstlerin selber bedient sich an dieser stelle gerne – und zu recht – des begriffs der kontingenz; in der philosophie steht er für die behauptung der zufälligkeit, nämlich dass alles, so wie es ist, auch anders respektive gar nicht sein könnte. im existenzialimus wird dies als erfahrung der bedeutungslosigkeit der welt und damit auch des menschlichen daseins beschrieben, die entweder zum selbstmord, oder aber – so das angebot des existentialismus – zur individuellen sinngebung führen muss.

in zusammenhang mit marianne engels arbeit ist die kontingenz in zweierlei hinsicht spannend: erstens als eine besondere art menschlicher erfahrung, zweitens als grenzaufhebung zwischen leben und tod, die sich aus der plötzlichen bedeutungslosigkeit des todes ergibt. die erfahrung von kontingenz, im sinne der abwesenheit aller guten gründe in der welt, ist zunächst eine erfahrung des abgrunds, gleichzeitig jedoch auch deren überwindung: ich war also gerade in den öffentlichen anlagen. genau unter meiner bank grub sich die wurzel des kastanienbaums in die erde. ich wusste nicht mehr, dass es eine wurzel war. die wörter waren versunken, und mit ihnen die bedeutung der dinge, ihr verwendungszweck, die schwachen zeichen, die ihnen menschen eingeritzt haben. da sass ich nun, etwas vornübergebeugt, den kopf nach unten, allein dieser schwarzen und knotigen masse gegenüber, die ungeschlacht war und die mir angst einjagte. und dann habe ich diese erleuchtung gehabt.»1

oliver kielmayer, bedenke das leben cahiers d artistes 2009
1 jean-paul sartre , der ekel, rowohlt, stuttgart 1949, s.170

“as part of the project «another member», the uowa flag, a fictitious flag that represents an idealized union of west asia, has been used through interventions in bern and geneva; generating different readings in an existent public space.

on may 28, it will get installed at marks blond project r.f.z.k. on speichergasse 8, bern.”

nayla dabaji & ziad bitar (lebanon)
«uowa flag»

marks blond project r.f.z.k.
speichergasse 8
postfach 502, 3000 bern 8
postkonto: 30-672111-3
fon 078 851 89 08

www.marksblond.com
project@marksblond.com

This entry was posted on Thursday, May 28th, 2009 at 9:10 am and is filed under art and tagged with , , . You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

Leave a Reply

Follow me